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Lebenshilfe spürt Rückenwind durch die gesellschaftliche Debatte über Inklusion

Mit einem Bündel neuer Projekte soll die Teilhabesituation von Menschen mit geistiger Behinderung weiter verbessert werden 

Die Lebenshilfe Kreisvereinigung Gütersloh e.V. spürt den Rückenwind durch die breite gesellschaftliche Debatte über das Thema Inklusion. „Es gibt eine immer größere Bereitschaft, Menschen mit einer geistigen Behinderung die Teilhabe in allen Lebensbereichen zu ermöglichen“, sagte die Vorstandsvorsitzende Mechtild Gräfin von Kerssenbrock auf der diesjährigen Mitgliederversammlung der Lebenshilfe. „Wir begrüßen den in Nordrhein-Westfalen mit dem Schuljahr 2014/15 gesetzlich geregelten Rechtsanspruch für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf auf einen Platz in der Regelschule“, sagte von Kerssenbrock. „Allerdings treten wir ebenso für den Erhalt des Förderschulsystems ein, damit die Eltern eine Wahlmöglichkeit für ihr Kind haben.“

Mit einem Bündel an neuen Projekten will die Lebenshilfe die Teilhabesituation von Menschen mit Behinderungen im Kreis Gütersloh weiter verbessern. Im Mittelpunkt der Planungen steht derzeit der Aufbau eines Lebenshilfe-Centers im Zentrum von Gütersloh, um Hilfen, Dienstleis-tungen und Beratung unter einem Dach zusammen zu fassen. „Damit wir dieses Projekt möglichst bald realisieren können, suchen wir weiter mit Hochdruck nach einem geeigneten Gebäu-de oder einem Grundstück in der Innenstadt“, sagte Geschäftsführer Karl Rustige. Dort will die Lebenshilfe ihre Geschäftsstelle, den Bereich „Freizeit, Sport und Reisen“, das Inklusionsbüro, die Ehrenamtlichen-Koordination und einen Treffpunkt für Menschen mit und ohne Behinderungen zusammenführen. Je nach Größe der Immobilie sollen auch Wohnplätze geschaffen werden.

Die Planungen für die Realisierung des mit Mitteln der Aktion Mensch geförderten Inklusionsbüros laufen auf Hochtouren. Mit der Verwaltung des Kreises Gütersloh und mit den Fraktionen von CDU, SPD und Grünen wurden hierzu positive Gespräche geführt. Ziel des Inklusionsbüros ist es, Vereine miteinander zu vernetzen, vielfältige Begegnungen zu ermöglichen und auf gute Beispiele hinzuweisen. „Wir wollen uns besonders im Bereich Freizeit, Sport und Kultur engagieren. Hier sind gemeinsame Aktivitäten von Menschen mit und ohne Behinderung ganz unkompliziert möglich“, sagte Rustige und nannte als Beispiele gemeinsame Karnevalsveranstaltungen, Schützenfeste, Theateraufführungen oder Sportveranstaltungen. Bei der Suche nach Kooperationspartnern ist die Lebenshilfe mit dem Wertkreis, dem Verein für Körper- und mehrfach behinderte Menschen (vkm) und dem Kreis Gütersloh im Gespräch.

Um dem Mangel an geeignetem Wohnraum für Menschen mit Behinderungen zu beheben, verwirklicht die Lebenshilfe weitere Wohnprojekte. Derzeit entsteht an der Rietberger Straße 92 in Rheda-Wiedenbrück ein modernes Gebäude, in dem die Lebenshilfe ab dem Frühjahr 2015 acht Wohnungen anmieten wird, damit dort Menschen mit einer geistigen Behinderung im ei-genen Apartment so selbstständig wie möglich wohnen können. Um das Wir-Gefühl der Be-wohner zu stärken und Begegnungen untereinander und mit der Nachbarschaft zu fördern, wird die Lebenshilfe in einer weiteren Wohnung einen Treffpunkt einrichten. Für ein weiteres Wohnprojekt in Rietberg sucht die Lebenshilfe noch einen Investor, Bauherren oder ein geeignetes Grundstück.

Insgesamt verfügt die Lebenshilfe in den drei Wohnstätten in Harsewinkel über 57 Plätze im stationären Bereich. Im ambulant unterstützten Wohnen, einem Bereich mit erheblichem Wachs-tum, werden derzeit im gesamten Kreisgebiet 36 Menschen mit einer Behinderung betreut. „Im stationären Wohnen müssen wir die Weichen so stellen, dass wir künftig auch den besonderen Bedürfnissen von älter werdenden und teilweise dementen Bewohnern gerecht werden kön-nen“, sagte Geschäftsführer Rustige.

Mit ihren heute rund 120 hauptamtlichen und über 100 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verfügt die Lebenshilfe als gemeinnütziger Verein über große Erfahrung und bietet vielfältige Hilfen und Dienstleistungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit und ohne Behinderung an. Dazu gehören neben dem Wohnbereich und der Frühförderung zahlreiche Freizeit- und Sportangebote sowie Gruppenreisen für einen erholsamen Urlaub. An zwei Gütersloher Schulen begleitet die Lebenshilfe Kinder im offenen Ganztag. Als Gesellschafter der wertkreis Gütersloh gGmbH trägt sie Mitverantwortung für vielfältige Arbeitsplätze und berufliche Teilhabe.

Bundesweit hat die Lebenshilfe 135.000 Mitglieder in über 520 Orts- oder Kreisvereinigungen. Diese haben 4.100 Dienste, Einrichtungen oder Angebote zur Unterstützung von Menschen mit Behinderung aufgebaut.


Vorstand und Geschäftsführer der Lebenshilfe: Andreas Henke, Mechtild Gräfin von Kerssenbrock, Karl Rustige, Evelyn Voßhans, Manfred Holtkamp, Silke Burmeister, Detlef Fehlhaber, Gerhard Falk
 (v. l. n. r.) Es fehlen: Klaus Hörsting, Eckhard Heitlage
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